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Donnerstag, 26. Februar 2015

Qualitätsopfer für Läuferwirkung

Die „Qualität“ ( Turm für Leichtfigur ) kann man natürlich aus verschiedenen Gründen geben. In den folgenden Beispielen geschieht es aus dem Grund dem eigenen Läufer – im Zusammenspiel mit anderen Figuren – eine größere Wirkung zu geben



Troianescu-Petrosjan
(1953)
Ich vermute, dass hier zwar das Qualitätsopfer auf e4 schon kurz in Erwägung ziehen, aber sich dann doch für das „sichere“ 25. … Tc5 entscheiden würden
Aber der spätere Weltmeister Petrosjan sah das ein wenig anders
25. …Txe4!
Auch wenn 25. ... Tc5 natürlich kein Fehler gewesen wäre, so gibt es aber überzeugende Argumente für das Qualitätsopfer
26. Lxe4 Lxe4 


Der Läufer auf e4 übt eine enorme Wirkung auf die weißen Felder im gegnerischen Lager aus und ist im Prinzip unvertreibbar, da er mit dem Mehrbauern gestützt werden kann

26. Sc2 d5 27.Sd4 b4!



Diese „Entwurzelung“ des Sd4 ist äußerst unangenehm, weil nun auch der zweite Läufer mehr Wirkung bekommt
28.cxb4 axb4 29.a4
Der Freibauer sieht an sich nicht schlecht aus, aber Schwarz bleibt am Drücker
29. ... Da7! 30.Df2 Tc8!


Hier mag sich manch fragen, warum nicht 30. ... Dxa4 gespielt wurde. Aber 31.Sxe6! fxe6 32.Txe4 hätte Weiß in Vorteil gebracht


Aber selbst ohne diesen taktischen Konter macht Tc8 Sinn. Es wird eine wichtige offene Linie besetzt
31. b3 Lf8!
Auch diese Umorientierung des Läufers  macht Sinn. Von c5 aus könnte er eine unangenehme Fesselung ausüben
32.Sb5 Da6 33.De2 Bb6+ 34.Kf1


Das weiße Figurenspiel ist alles Andere als effektiv, aber noch scheint die weiße Stellung zu halten
34.... Tc3! 35.Sxc3 bxc3
Nach diesem zweiten Qualitätsopfer – diesmal zwecks Freibauernbildung – erhält Schwarz einen entscheidenden Vorteil
36.Tc2 Dxb3 37.Tec1 Lb4!


Fast schon eine Art Zugzwang
38.g4
Schwarz wickelt nun ab
38. ... Lxc2 39.Txc2 Dxa4
Bei drei Bauern für die „Qualität“ und der weißen Königsunsicherheit ist die Partie im Prinzip entschieden
40.f5 exf5 41. gxf5 g5 42. h4!?


Weiß versucht verzweifelt noch irgendetwas gegen den schwarzen König auf die Beine zu stellen. Aber Schwarz läßt nichts mehr anbrennen
42. ... Lc5!
und schaltet seinerseits um auf Königsangriff
43.hxg5 Df4+ 44.Ke1 Dg3+ 45.Kd1 Dg1+ 46.De1 Dxe1 47.Kxe1 hxg5 48.Ke2 Ld4! 49.Ta2 Kg7 50.Kd3 Le5 51.Ta5 Kf6 52.Txd5 Kxf5


Dieses Endspiel ist hoffnungslos für Weiß. Es folgte noch:
53.Ke3 f6 54.Tc5 Kg4 55.Tc4+ Kg3 56.Ke4 g4
Die Freibauern mit Königs- und Läuferunterstützung sind zu stark

 0-1
















Dienstag, 30. September 2014

Ein interessantes Mattmotiv

In einer meiner jüngeren Partien kam es zu folgender Brett-Situation:



Das ich hier mit Schwarz auf Gewinn stehe ist offensichtlich. Deshalb entschloss sich mein Gegner hier wohl zu einerVerzweifelungstat“ 
1. a5 
Das Einfachste wäre nun 1. ...bxa5 gewesen, da der weiße b-Bauer nie sein Umwandlungsfeld erreichen dürfte. Aber nach einigem Nachdenken und Berechnen zog ich 
1. … h3! 
Meine beiden berechneten Hauptvarianten lauteten wie folgt: a) 2. axb6 (a6 würde nicht gross was ändern) g3 3. Td1 Tb2 4. b7 Txb5 5.Td5 + Txd5 6. b8D Td1 matt

und b) 2. axb6 h2+ 3. Kh1 g3 4. Td1 Tb2 5.b7 Txb5 mit Gewinn des b-Bauern und der Partie. So jedenfalls dachte ich und hatte dabei übersehen, dass Weiß mit 6. Kg2! Möglicherweise schon den Remishafen erreicht gehabt hätte


In der Partie folgte dann tatsächlich Variante b) 
2. axb6 h2+ 3. Kh1 g3 
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich meinen Irrtum noch nicht entdeckt, aber eine zusätzliche „Gewinnvariante“ gefunden: 4. Td1 Kg4! 5. b7 Kh3! b8D g2 matt


Ich begann mich gerade mit dieser sehr schönen Mattbild anzufreunden, als mein Gegner überraschend 
4. Th4 
zog. Was dann ein schnelles Ende zur Folge hatte 
4. ... Tc1+ 5. Kg2 Tg1+ 6. Kf3 h1D 7. Txh1 Txh1


                                       1-0 

Aber ein leichter Schrecken überkam mich, als man mir in der Analyse den übersehenen Zug 6. Kg2! zeigte. Denn vollständig ausschließen konnte ich nicht, dass ich mich im letzten Moment nicht doch für diese fehlerhafte Variante b entschieden hätte. Aber glücklicherweise blieb mir diese Entscheidung erspart, da mein Gegner ja Th4 gezogen hatte....Hier kann man die Partievariante noch einmal kurz nachspielen
Ein interessantes Mattmotiv 
oder den ganzen Text downloaden: Pdf-Datei

Thematisch passend dazu scheint mir folgende Studie von J. Moravec aus dem Jahre 1937:

Viel Spaß beim "Tüfteln". Die Lösung findet sich dann (später) hier: Moravec-Studie




Donnerstag, 10. April 2014

Ein Qualitätsopfer für Königsaktivität und Freibauer(n)

Eine Grundregel beim „Opfern“ von Material lautet, dass man Kompensation haben sollte. In welcher Form auch immer! 


Bronstein-Olafsson(1958)

In der obigen Stellung war natürlich Weiß am Drücker. Aber wie den entscheidenden Durchbruch schaffen. Bronstein entschloss sich zu einem „Qualitätsopfer“
36. Txe5! Dxe5 37. Kxe5 Te8+ 38. Kf6


Worin also bestand nun die Kompensation für die geopferte „Qualität“? Im Grunde genommen ist es offensichtlich. Der weiße König ist tief in die schwarze Stellung eingedrungen, auf d5 ist ein starker Freibauer entstanden und der Springer steht auch nicht schlecht. Allerdings kommt Schwarz nun zu einem gewissen Gegenspiel
Te3 38. Kxf7 Tb3 39. Sxg6 Txb4



Nun scheint es doch noch einmal kritisch geworden zu sein für Weiß. Aber der Eindruck täuscht. König, Springer und Freibauer spielen perfekt zusammen
40. Se5+ Kc8
Nach 40. … Kd8 gewinnt Weiß folgendermaßen: 41d6 Tb2 42. Ke6 Te2 43. g3 Te1 44. Kxf5 Te2 45. Ke6 und der f-Bauer läuft durch
41.d6 Tb2 42. Ke8!
Nun droht einfach der Freibauer durchzulaufen
Td2 43. Sg6! Kb8 44. g3 Td1 45. Se7


Der weiße Gewinnplan ist nun einfach. Da der schwarze Turm im Prinzip an die d-Linie gebunden ist, kann Weiß in aller Ruhe Sxf5 spielen, mit dem Springer nach f7 zurückkehren und dann den neuen Freibauern auf der f-Linie laufen lassen. Deshalb gab Schwarz hier auf
1-0














 

Mittwoch, 26. März 2014

Ein weiter Weg zum Ziel

Im folgenden Beispiel geht es auch wieder darum, dass Weiß erst nach Schaffung einer zweiten Schwäche zum Ziel kommt


Eljanow-Kosic (2006)

Für das „kundige“ Auge ist klar, dass Weiß besser stehen muss. Der König im Zentrum und das Läuferpaar sind zwei für ihn sprechende Stellungsmerkmale. Aber der Weg zum Sieg ist weiter als man vermuten könnte
22. Kd4 Sd7
Der Einbruch des Königs in die schwarze Stellung muss natürlich verhindert werden
23. Kc3 Sc5
Wiederum notwendig, denn sonst gelangt der König nach a5
24. Le3 Sb7
Ein trauriger Platz für den Springer, aber die Felder a5 und c5 müssen vor dem Eindringen des weißen Königs geschützt werden
25. Lb6!
Jetzt droht Kb4 und a4, was letztendlich einen Bauern gewinnen
würde. Deshalb
25. … a5 26. Kd4 f6



Mit Mühe und Not ist es dem Schwarzen gelungen der weißen Königsaktivität Herr zu werden. Aber der Preis ist hoch: Die beiden Bauern am Damenflügel sind zu einer Schwäche geworden und bedürfen der ständigen Überdeckung durch die Leichtfiguren. Wie aber soll es nun weitergehen?
27. f4
Dieser Zug soll natürlich das Zurückdrängen des Königs mittels e5 verhindern. Ist aber gleichzeitig auch die Einleitung eines Bauernsturms am Königflügels. Hier soll eine zweite Schwäche geschaffen werden
27. … Kf7 28. h4 Ke7 29. g4 Kd6
Nun droht wieder e5 mit Zurückdrängen des Königs.Deshalb
30. e5+ fxe5 31. fxe5+ Ke7
Die Überlegenheit der weißen Stellung ist offensichtlich, aber noch ist eine zweite Schwäche nicht geschaffen worden
32. Ld3! g6X



33. h5!
Dieser Zug bringt die Bauern in Verlegenheit
33. … gxh5
Auf 33. … Kf7 wäre einfach 34. h6! gefolgt und der König wäre an den Bauern g6 – wegen des drohenden Läufereinschlages - gebunden gewesen
34. gxh5 h6




Hurra! Die zweite Schwäche – der Bauer h6 – ist entstanden. Der Sieg nun greifbar nahe. 

35. Le2
Weiß will kein Gegenspiel mit Lf3 erlauben
35. …Kf7 36. Kc3!
Der Läufer soll nach e3 gebracht werden, von wo aus er die zweite Schwäche angreifen kann
36. … Kg7 37. b4!
Die erste Schwäche b5 wird festgelegt
37. … a4
Erzwungen wegen 37. ...axb4? 38. Kxb4!
38. Ld3 Kf7 39. Le3 Kg7


In diesem Diagramm wird deutlich, wie sehr Schwarz an die Verteidigung der beiden Schwächen (b5+h6) gebunden ist
40. Kd4 Le8 41. Le2 Lc6 42. Lf4 Kh7 43. Lf1 Kg7 44. Ld3 Le8 




Nun schreitet Weiß zur Tat
45. Le4! Sd8 46. Kc5 Lxh5 47. Kxb5 Le8+ 48. Kc5 h5 49. Lg5 Sf7 50. Lf6+


Hier gab Schwarz angesichts des durchmarschierenden b-Bauerns auf
1-0

 







Mittels der Zugzwang -Technik zum Sieg


Auch in diesem Beispiel geht es wieder um
a) das „Prinzip der zwei Schwächen"
und
b) die drei „Laskermomente“: Freibauer, Königsoffensive und Zugzwang
als maßgebliche Faktoren im Endspiel



Studie von Vucovic (1947)

Auf den ersten Blick scheint gar nicht klar zu sein, wer besser steht. Zwar hat Weiß einen gefährlichen Freibauern auf der a-Linie, aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Zumal Schwarz ein verbundenes Freibauernpaar besitzt. Wenn die ins Rollen kämen …
1. Ka2!
Der Springer ist natürlich indirekt gedeckt durch den drohenden Vormarsch des a-Bauern: 1. ...Kxd4?? 2.a6! Und es droht nun die Springergabel auf b3.
1. … Lh6
Der einzig mögliche Zug, der nicht sofort verliert. In diesem Sinne war 
dies schon ein Zugzwang
2. Kb1!
Der König nimmt dem Läufer das Feld c1. Und erzeugt einen erneuten Zugzwang
2. … c6
2. … Lg7 oder Lf8 ging wegen der Springergabel auf e6 nicht. Und 2. … Kd6 3.a6! ging ebenso wenig
3. Kc2!
Erneuter Zugzwang
3. … Kd6 4. h5!
Nutzt den Umstand aus, dass 4. … gxh5 nicht geht wegen 5. Sxf5+!
4. … Lg7 



5. Se6!!
Mit diesem Ablenkungsopfer ist ein erneuter Zugzwang verbunden. Schwarz kann es sich nicht leisten, das Opfer abzulehnen, da ansonsten der a-Bauer durchliefe
5. … Kxe6 6. h6!
Der zweite Freibauer (Lasker) und die zweite Schwäche
6. … Ld4 7. Kd3!
Erneute Königsaktivität und Zugzwang. Der Läufer muss auf d4 stehen bleiben, da ansonsten einer der beiden Freibauern durchliefe
7. ... c5 8. a6 Ke5 9. h7 c4+ 10. Ke2 Ke4



11. a7!
Die Überlastung des Läufers ist offensichtlich! 1-0

Resümee: In beeindruckender Weise kamen alle in der Einleitung erwähnten Elemente zum Zuge. Besonders wirkungsvoll war dabei aber die Technik des Zugzwangs, die vielleicht einer gewissen Einübung bedarf, weil sie nicht unbedingt unserem normalen Denken entspricht.

 

 



Donnerstag, 6. März 2014

Mit präziser Logik gespielt

Dies sind die drei Momente, die dem Endspiel seinen Charakter geben: Die Offensivkraft des Königs, der Freibauer, der Zugzwang (Emmanuel Lasker)


Bisguir-Fischer (1967)



Ob Bobby Fischer das obige Laskerzitat kannte ist nicht überliefert. Auf jeden Fall wandte er hier eines der drei Momente an:
42. … Le8!
Dieser eher harmlos aussehende Zug hatte es in sich. Denn Weiß befindet
sich nun überraschenderweise in einem Zugzwang. Er kann keinen Zug machen, ohne seine eigene Stellung zu verschlechtern
43. Lb1
Er wählte das kleinstmögliche „Übel“
und gab die Kontrolle über das Feld a4 auf. 43. Kf3? Kxg5 und 43. Se2?
Sd3+! hätten sofort zu Bauernverlusten geführt
43. … Sa4!
Auftakt eines fantastischen Springersolos
44. Se2 Sb2 45. Sd4 Sd1 46. Se2 Sf2 47. Ke3 Sh3



Schwarz hat einen ersten Erfolg zu verzeichnen. Der g-Bauer fällt nun
48. Sf4+ Kxg5 49. Sg2
Weiß baut nun eine neue Verteidigungslinie auf
f6 50. exf6 Kxf6 51. Sh4 e5 52. Lc2 Ld7 53. Lb1




... Sg5!
Nach einer kleinen Rast macht sich der Springer wieder auf den Weg.
54. Lc2 Sf7 55. Lb1 Sh8! 56. Lc2 Sg6




Mit präziser Logik gespielt! Weiß kann die Blockade nicht länger
aufrecht erhalten
57. Sxg6
Der Springerrückzug nach g2 hätte auch nicht den Vorstoß des h-Bauern verhindern können 57. Sg2 Kg5 58. Kf2 h4!
Kxg6 58. Kf2 Kg5 59. Kg2 h4 60. Kh2
 


Fischer am Scheideweg: Tauschen oder vorbeiziehen?
h3!
Nur so! Nach … hxg3? 61. Kg3 hätte
Weiß eine nicht mehr zu
knackende Barriere aufbauen können
61. Kg1 Kf6
Beginn einer längeren Königswanderung.
62. Kh2 Ke7 63. Kg1 Kd6 64. Kf2 Kc5 65. Kg1 Kb6 66. Kh1 Ka5 67. Kg1





Nun kommt ein zweites Lasker-moment zur Anwendung; Die Offensivkraft des Königs Vorher muss aber noch das Feld a4 zugänglich gemacht werden
Lc6 68. Kh1 Lb7 69. Kg1 Lxe4! 70. Lxe4 Ka4
Hatte Fischer auch wirklich alles präzise durchgerechnet?
71. Lf5 Kb3!
Der c-Bauer soll so schnell wie möglich beseitigt werden
72. Lxg4 e4 73. Lxh3 Kxc3 74. g4




Endlich hat Weiß auch einen Freibauern, aber die schwarzen Freibauern -der dritte Laskermoment- bringen die Entscheidung
Kd2!
Nun wird einer der beiden schwarzen Freibauern rechtzeitig das Umwandlungsfeld erreichen. Deshalb gab Bisguir hier auf

                                                            0-1




 



Donnerstag, 20. Februar 2014

Ein Läuferopfer schaffte freie Bahnen

In der schon erwähnten Partie kam es dann irgendwann zu folgender Stellung:


 

Sebastian-Nielsen

Der Freibauer auf g3 und die Turmverdoppelung dahinter sehen schon recht imposant aus. Aber ohne Unterstützung der anderen Figuren wäre damit nicht viel anzufangen gewesen
37. … Lxb4! 38. Dxb4 d4!
Diese Diagonalöffnung brachte den La8 entscheidend ins Spiel
39. Th1
In weiser Voraussicht eines Läuferopfers auf f3
Dd8!
Ein guter Zug. Die Dame soll über g5 ins Geschehen eingreifen
40. Dc4
Nun ist die Zeit reif für eine entscheidende Tat






Lxf3! 41. Kxf3 g2! 42. Dc6+ Kf8
Möglicherweise war hier 43. Tg1 geplant, was aber nach … Tf6+
44. exf6 Df6+ 45. Ke4 Tg4 matt gewesen wäre


So folgte
43. Txg2 Txg2 44. Dd6+ Dxd6 45. ed6 Ke8 46. axb6 axb6 47. Ta1 Kd7


Dieses Endspiel mit einer Qualität weniger wollte sich der Weißspieler dann doch nicht mehr zeigen lassen
0-1

 






Montag, 10. Februar 2014

Ein Superbauer auf der siebten Reihe



Ein auf der siebten (oder zweiten) Reihe und in der Nähe des gegnerischen Königs stehender Bauer erzeugt oft taktische Möglichkeiten, wie zum Beispiel in folgender Laskerstudie


Tc8+ Txc8 2. Dxa7! Kxa7 3. bxc8S+!


Eine sogenannte Umwandlungskombination, die das Potential des Bauern auf der siebten Reihe zeigt.

Etwas Ähnliches sehen wir auch im nächsten Beispiel:




XRichter- N.N


1. Sf5+ Kf6? (besser Ke8) 2. e7! Lxf5? 3. e8S matt


Erneut brachte hier die Umwandlung des Bauern in einen Springer den Sieg. Bei Umwandlung in eine Dame wäre Weiß dagegen mittels 3. … Th2+ selber matt gesetzt worden.

Im gerade zu Ende gegangen Turnier in Zürich spielte der Bauer auf der siebten Reihe in zwei Partien eine große Rolle. Beide Male war der neue Weltmeister Carlsen beteiligt:




Carlsen-Caruana


42. Da4! Te3 43. Da8+ Kd7 44. Db7+ Ke8 45. d7+ Kd8 46. Lh4+ Te7


Den Bauern auf der siebten Reihe benutzend wickelte Weiß in ein gewonnenes Endspiel ab
Dc8+!
Hier wollte sich Caruana nicht noch 47. … Dc8 48. exc8D+ Kxc8 49. Lxe7 zeigen lassen und gab deshalb auf.

In dem zweiten Carlsen-beispiel hätte ihm ein auf der siebten Reihe stehender Bauer zum Verhängnis werden können



Nakamura-Carlsen
Schon ein einfacher Blick genügt um zu erkennen, dass Schwarz am Königsflügel nach Öffnung der h-Linie mächtig unter Druck geraten wird. So entschloss Carlsen sich zu einem zeitweiligem Figurenopfer
26. … Lxb2!? 27. Lxb2 Sbxc4 28. Lxc4 Sxc4 29. hxg6!
Nun ist die h-Linie aufgegangen. Nach dem normalen 29. fxg6 30. De6+
wäre der weiße Vorteil deutlich gewesen. Z.B nach 30. Df7 31. Txh7! Deshalb entschied sich Carlsen wohl die Sache etwas unklarer zu gestalten
29. … Db6
Hier nun hätte Nakamura nach dem natürlichen 30. gxf7+ einen deutlichen Vorteil gehabt. Er entschied sich aber für
30. g7



Mir gefällt dieser „Implementierung“ des Bauern in der gegnerischen Königsfestung. Der Angriff auf der h-Linie droht eine schnelle Entscheidung zu bringen. Was auch den Unterschied zu 30. gxh7+? Kh8! ausmacht. Der König stünde hinter dem fremden Bauer vorerst sicher
30. … Td8 31. Dh4 Txb2 32. Ka1 Txh2 33. Txh2 Dg6 34. Sf5! Te8 35. Dg4 Db6 36. Dh3 Dg6


Bis hierhin hatten Nakamura alles richtig gemacht. Aber nun, wohl auch in Zeitnot, versäumte er den Gewinn. Nach 37. Df1! b5 hätte er den implementierten Bauer auf g7 sehr schön benutzen können



38. … Txh7!!
Danach hätte es keine Rettung mehr für Carlsen gegeben: 38. … Dxh7 39. Sh6+! Kxg7 40. Dxf7 +- oder 38. … Kxh7 39. Dh3+! +-
Etwas undramatischer hätte übrigens 38. Ka2! Gewonnen. Schwarz hätte keinen vernünftigen Zug mehr gehabt, Eine Art Zugzwang bei halbvollem Brett



Nakamura spielte
37. d6?
und nach 37. … Sxd6 38. Sxd6 Td8 39. Sc4 Dxe4 war Carlsen wieder im Spiel und gegen den wohl geschockten Nakamura gelang ihm dann sogar noch ein Sieg

Wie man einen implementierten Freibauern auf g7 mittels Turmopfer seine volle Wirkung entfalten lassen kann, demonstrierte einmal Exweltmeister Kasparov:



Kasparov-Csom

17. g5! S6d7 18. h4! Se5 19. h5 f6 20. Se4 fxg5 21. Lxg5 Db6 22. h6 Sf7 23. hxg7 Sd7


Schon erstaunlich wie Kasparov innerhalb von nur sechs Zügen die gegnerische Königsfestung erschüttert hat. Nun sicherte er erst einmal den Bauern g7
24. Sf6+ Sxf6 25. Lxf6
Wahrscheinlich hatte er hier schon das spätere Turmopfer auf h7 im Auge
25. … Db5 26. Th1! Lb6 27. Df3 Se5 28. Sf5!
Ein schönes Damenopfer
28. …. Sf7
Die Annahme des Opfers hätte nach 28. … Sxf3?? 29. Sh6+ zu einem wunderschönen Mattbild geführt


Aber auch so spielte Kasparov thematisch
29. Txh7!


Das Matt nach 29. … Kxh7 30. Dh5+ Kg8 31. Dh8+! Sxh8 32. gxh8D+ Kf7 33. Dg7 wollte Csom sich dann nicht mehr zeigen lassen

In meinem letzten Beispiel geht es wieder etwas undramatischer zu




Sutovsky-Laznicka

Hier stiftet der f6-Bauer „Unfrieden in der gegnerischen Stellung. Das Matt auf g7 liegt immer in der Luft. So muss die schwarze Dame immer in Verbindung mit dem Feld f8 bleiben
27. Kf1!
Nun droht 28. Txe3 wegen der Abhängigkeit der Dame von f8
Tad8 28. Txe3
Mit dem König auf g1 würde jetzt einfach Dxe3+ kommen und die Dame hätte Zeit nach c5 zurückkehren zu können
Txd3
Um h5 spielen zu können ohne dass der Ld3 auch noch gegen die geschwächte Königsfestung gerichtet ist.
29. Txd3 h5 30. Dg5 Le4 31. Td4 Lxc2 32. Dh6 Df8 33. Dg7+


Hier strich Schwarz bereits die Segel. Aber das Endspiel wäre auch hoffnungslos gewesen. Der Superbauer auf g7 ist eine ständige Gefahr für den König und schränkt König und Turm in ihrer Bewegungsfreiheit ein. Zum Beispiel in folgender recht logischen Variante: 33. … Dxg7 34. fxg7 Lb1 35. c5! Lxa2 36. Td6 a5 37.c6 Tc8 38. c7!

Wegen des Grundreihenmatts ist der c-Bauer tabu. Aber es droht sowieso Td8+ mit Gewinn

Resümee: Ein im gegnerischen Lager postierte Bauer auf der siebten Reihe kann ein Superbauer und eine Quelle für vielfältige taktische Möglichkeiten sein